Die große Karriere des Roger Federer

Photo by Zoë Reeve on Unsplash

Am Ende wurde es noch einmal hochemotional. Nach seinem letzten Match beim Laver Cup, welches er mit seinem langjährigen Rivalen Rafael Nadal absolvierte, konnte Roger Federer seine Tränen nicht zurückhalten. Dass dies auch Nadal und vielen anderen Anwesenden in London so erging, zeigt die Bedeutung Federers in der Sportwelt. Tatsächlich verabschiedet sich einer der größten Athleten aller Zeiten. Über 100 gewonnene Titel, 20 Grand Slam Erfolge und zahlreiche weitere Bestmarken stehen für sich. Wir werfen einen Blick zurück auf die unglaubliche Karriere des Roger Federer.

Ein neuer Star am Beginn des neuen Jahrtausends

Im Jahr 1999, als Herrentennis von Namen wie Andre Agassi oder Pete Sampras dominiert wurde, feierte ein gerade einmal 18-jähriger Roger Federer sein Debüt im Profizirkus. Während er in seinen ersten beiden Jahren auf der ATP-Tour noch keinen Titel einfahren konnte, sollte ihm in seiner dritten Saison der Durchbruch gelingen. Heute sind es Spieler wie Zverev, Medwedew oder Alcaraz, die nicht nur bei Profis und Sportfans auf dem Radar sind, sondern auch bei neuen Wettanbietern als die Favoriten und neuen Superstars gelten. Anhand der Quoten von Buchmachern können auch Laien schnell erkennen, welchen Teilnehmern eines Turniers die größten Chancen zugeschrieben werden. Doch immer gibt es auch Überraschungen: 2001 ließ Federer bei seinem zukünftigen Lieblingsturnier, Wimbledon, das erste Mal aufhorchen, indem er Pete Sampras im Achtelfinale niederrang. Damals galt er als DER Newcomer. Im selben Jahr gewann er im dritten Final-Anlauf den ersten Profi-Titel. Zudem war er im Davis Cup einer der Garanten für den Schweizer Erfolg über die USA.

Der erste Grand Slam und die Nummer 1 der Welt

Obwohl das Talent Federers unverkennbar war und er schon früh als kommender Champion gehandelt wurde, kam er auch 2002 nicht über das Achtelfinale bei einem Grand-Slam-Turnier hinaus. Das Jahr beendete Federer auf Platz 6 in der Weltrangliste.

Im folgenden Jahr sollte endlich der ganz große Wurf folgen. Während nach dem Achtelfinal-Aus in Melbourne und der Auftaktpleite in Paris schon Stimmen vom Grand-Slam-Fluch aufkamen, ließ Federer mit seinem ersten von insgesamt acht Erfolgen in Wimbledon die Kritiker verstummen. Vor allem der Auftritt im Halbfinale gegen Andy Roddick, bei dem er in drei Sätzen 61 Gewinnschläge spielte, hinterließ einen bleibenden Eindruck. Das Jahr 2003 beendete Federer mit seinem ersten Weltmeistertitel gegen Andre Agassi.

Dominanz in London und New York

Trotz der Trennung von seinem damaligen Trainer startete Federer stark in das Jahr 2004 und gewann erstmals in seiner Karriere die US Open. In Wimbledon konnte er seinen Titel verteidigen und im Spätsommer folgte der nächste Meilenstein mit dem Triumph bei den US Open. Diese beiden Turniere sollten in der Folge zu „seinen“ Turnieren werden. Denn sowohl in Wimbledon als auch bei den US Open konnte ihn in den folgenden fünf Jahren niemand bezwingen. Wenig überraschend eroberte er auch in dieser Zeit erstmals die Spitze der Weltrangliste. Im Jahr 2005 legte er unter anderem eine 35 Spiele andauernde Siegesserie hin. Doch nicht nur sein Erfolg, vor allem auch das technisch anspruchsvolle und ästhetische Spiel brachte ihm den Beinamen „Maestro“ ein.

Verletzungen, gefeierte Rückkehr und Legendenstatus

Vor allem die Duelle mit Rafael Nadal und später auch Novak Djokovic sollten in die Geschichte eingehen. Dabei kam Federer auch nach mehreren schweren Verletzungen und Schwächephasen zurück, um über zwei Jahrzehnte die Spitze des Welttennis zu bestimmen. Zusammen mit Nadal und Djokovic erklommen die Big Three den Tennis-Olymp. Nachdem er zuletzt 2021 beim Viertelfinal-Aus in Wimbledon auf dem Platz gestanden hatte, musste sich der Schweizer seiner dritten Knieoperation unterziehen. Auch als die Tenniswelt bis zuletzt auf ein erneutes Comeback hoffte, musste er seinen körperlichen Grenzen letztlich Tribut zollen. "Ich kenne die Möglichkeiten und Grenzen meines Körpers, und seine jüngste Botschaft an mich war klar", so Federer bei seiner Rücktritts-Erklärung.

Mit Roger Federer verlässt ein ganz Großer, wenn nicht der größte Tennisspieler aller Zeiten, den Platz. Nicht nur aufgrund seiner 20 Grand Slam Titel, sondern vor allem wegen seiner unnachahmlichen Spielweise und Eleganz kann man sich vor dem Maestro verneigen.

 

 

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